Neuron Automation
Glossar der funktionalen Sicherheit
Fachbegriffe und Abkürzungen der funktionalen Sicherheit einfach erklärt
Sie stoßen bei der Arbeit mit funktional sicheren Steuerungen immer wieder auf dieselben Begriffe und Abkürzungen – SIL, PL, FSoE, HFT und viele mehr? Hier finden Sie die wichtigsten Fachbegriffe aus der Welt der funktionalen Sicherheit und industriellen Automatisierung kompakt und verständlich erklärt.
Sie vermissen einen Begriff oder haben eine Anregung zu unserem Glossar? Sprechen Sie uns gerne an – wir erweitern die Liste laufend und freuen uns über Ihr Feedback.
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- 1oo1 / 1oo2 / 2oo2 (MooN-Konzept)
- Die MooN-Notation („M out of N“) beschreibt die Architektur redundanter Sicherheitssysteme: M von N Kanälen müssen funktionieren, damit die Sicherheitsfunktion ausgeführt wird. 1oo2 bedeutet z. B. zwei Kanäle, von denen einer ausreicht – das erhöht die Sicherheit; 2oo2 verlangt beide Kanäle und begünstigt eher die Verfügbarkeit. Die gewählte Architektur beeinflusst maßgeblich den erreichbaren SIL.
A
- ASIL (Automotive Safety Integrity Level)
- Der ASIL ist das Risikomaß der funktionalen Sicherheit in der Automobilindustrie nach ISO 26262. Er wird aus Schwere, Häufigkeit der Exposition und Beherrschbarkeit einer möglichen Gefährdung abgeleitet und reicht von ASIL A (geringste Anforderungen) bis ASIL D (höchste). Funktionen ohne Sicherheitsrelevanz werden mit „QM“ (Quality Management) eingestuft.
B
- Black-Channel-Prinzip
- Beim Black-Channel-Prinzip wird das Übertragungsnetzwerk selbst nicht als sicherheitsgerichtet betrachtet. Stattdessen sichern zusätzliche Maßnahmen im Sicherheitsprotokoll – etwa Prüfsummen, laufende Zähler und Zeitüberwachung – die Daten so ab, dass Übertragungsfehler zuverlässig erkannt werden. Dadurch lassen sich Standardnetzwerke wie EtherCAT oder PROFINET für sicherheitsgerichtete Kommunikation nutzen.
C
- CIP Safety
- CIP Safety ist die Sicherheitserweiterung des Common Industrial Protocol (CIP) und wird vor allem über EtherNet/IP und DeviceNet eingesetzt. Es überträgt sicherheitsgerichtete Daten bis SIL 3 über Standardnetzwerke nach dem Black-Channel-Prinzip. Verwaltet und weiterentwickelt wird die Technologie von der ODVA.
- Compliant Item (konformes Element)
- Ein Compliant Item ist ein Baustein – etwa Hardware, Firmware oder Software –, der nachweislich die Anforderungen der IEC 61508 erfüllt und mit den zugehörigen Nachweisen dokumentiert ist. Solche vorzertifizierten Elemente lassen sich in Sicherheitsprodukten wiederverwenden und verkürzen den Zertifizierungsaufwand. Im Neuron-Baukasten sind alle Elemente als Compliant Item nach IEC 61508 vorzertifiziert.
- CORA (Test Library)
- CORA ist die Testbibliothek im Neuron-Baukasten für sicherheitsgerichtete CPU- und Speichertests nach IEC 61508. Kern ist ein Testmanager, der alle konfigurierten Tests verwaltet und die einzelnen Testfunktionen automatisch aufruft; für Speichertests lassen sich einzelne Speicherblöcke registrieren und systematisch prüfen. So werden die von der Norm geforderten Hardware-Diagnosen effizient umgesetzt.
D
- Diagnostic Coverage (DC, Diagnosedeckungsgrad)
- Die Diagnosedeckung gibt an, welcher Anteil der gefährlichen Fehler durch automatische Diagnosen erkannt und beherrscht wird. Ein hoher DC-Wert bedeutet, dass viele potenziell gefährliche Fehler rechtzeitig entdeckt werden. Die DC ist eine wichtige Kenngröße für den erreichbaren SIL bzw. Performance Level.
- DIN EN / EN / IEC (Normbezeichnungen)
- Dieselbe Norm trägt je nach Gültigkeitsbereich unterschiedliche Präfixe: IEC steht für die internationale Fassung, EN für die europäische Übernahme und DIN EN für die deutsche Ausgabe. Inhaltlich sind die Fassungen in aller Regel identisch. „DIN EN 61800-5-2“ und „IEC 61800-5-2“ bezeichnen daher dieselbe Norm.
E
- Edge-Device / Industrie-PC (IPC)
- Industrie-PCs und Edge-Devices sind robuste Standard-Rechnerplattformen, die Automatisierungsaufgaben direkt in der Anlage übernehmen. Klassisch wurden sie nur für nicht sicherheitsgerichtete Aufgaben genutzt, während Sicherheitsfunktionen eine separate Safety-SPS erforderten. Mit softwarebasierter Safety lassen sich sichere und nicht sichere Anwendungen auf derselben Standardhardware betreiben.
- Einkanalig / Zweikanalig (Single-/Dual-Channel)
- Einkanalige Systeme verarbeiten eine Sicherheitsfunktion über einen einzigen Verarbeitungspfad; zweikanalige Systeme nutzen zwei unabhängige Pfade, deren Ergebnisse gegenseitig geprüft werden. Die Zweikanaligkeit erkennt Fehler, die einem einzelnen Kanal entgehen würden, und ist deshalb Voraussetzung für hohe Sicherheitslevel. Typisch sind SIL 2 einkanalig und SIL 3 zweikanalig.
- EUC (Equipment Under Control)
- Das Equipment Under Control ist die Maschine, Anlage oder das Gerät, dessen Betrieb durch eine Sicherheitsfunktion überwacht bzw. abgesichert wird. Die von ihm ausgehenden Gefährdungen sind der Ausgangspunkt der Risikobetrachtung nach IEC 61508. Der Begriff hilft, sauber zu trennen, was geschützt wird und was die Schutzfunktion übernimmt.
F
- FMEA (Failure Mode and Effects Analysis)
- Die FMEA (Fehlermöglichkeits- und -einflussanalyse) ist eine systematische Methode, um mögliche Fehler eines Produkts oder Prozesses, ihre Ursachen und ihre Auswirkungen frühzeitig zu erkennen und zu bewerten. Ziel ist es, Risiken zu priorisieren und Gegenmaßnahmen abzuleiten, bevor Schäden entstehen. In der funktionalen Sicherheit unterstützt sie den Nachweis, dass Fehler beherrscht werden.
- FSMP (Functional Safety Management Plan)
- Der Functional Safety Management Plan legt fest, wie funktionale Sicherheit in einem Projekt organisiert wird: wer welche Verantwortung trägt, welche Aktivitäten wann durchzuführen sind und wie Nachweise dokumentiert werden. Er ist eine Grundvoraussetzung, um systematische Fehler im Entwicklungsprozess zu vermeiden. Ohne dokumentiertes Safety-Management ist keine glaubwürdige Zertifizierung möglich.
- FSoE (Fail Safe over EtherCAT / Safety over EtherCAT)
- FSoE ist ein TÜV-zertifiziertes Sicherheitsprotokoll, das sicherheitsrelevante Daten über ein normales EtherCAT-Netzwerk überträgt – bis SIL 3 nach IEC 61508. Die eigentlichen Sicherheitsdaten reisen in einem geschützten „Container“, während das Netzwerk selbst als nicht sicherheitsgerichteter „Black Channel“ behandelt wird. Dadurch entfällt eine separate Sicherheitsverkabelung.
H
- HAL (Hardware Abstraction Layer)
- Der Hardware Abstraction Layer ist eine Software-Zwischenschicht, die die Firmware von den Besonderheiten der konkreten Hardware entkoppelt. Dadurch lässt sich dieselbe Sicherheits-Firmware mit vergleichsweise geringem Aufwand auf unterschiedliche Hardware-Architekturen portieren. Im Neuron-Baukasten sorgt der HAL für die flexible Anbindung der Firmware an die jeweilige Hardware.
- HFT (Hardware Fault Tolerance)
- Die Hardware-Fehlertoleranz gibt an, wie viele gefährliche Hardware-Fehler ein System verkraften kann, ohne dass die Sicherheitsfunktion verloren geht. HFT 0 bedeutet, dass bereits ein einzelner Fehler die Sicherheitsfunktion gefährdet; bei HFT 1 sind zwei unabhängige Fehler nötig, bei HFT 2 drei. Die HFT ist einer der Faktoren, die den erreichbaren SIL begrenzen.
- HIS (Hardware Independent Safety)
- HIS ist die softwarebasierte Safety-Lösung von Neuron Automation: Sie realisiert funktionale Sicherheit bis SIL 3 bzw. PL e auf Standard-Industriehardware wie IPCs, Edge- und Embedded-Plattformen – ohne dedizierte, zertifizierte Safety-Hardware. Möglich wird das durch eine dual-diverse Softwarearchitektur, bei der zwei unabhängige Kanäle aus einem IEC-61131-3-Modell erzeugt werden und sich zyklisch gegenseitig überwachen. Sichere und nicht sichere Anwendungen laufen so auf derselben Hardware.
I
- IEC 61131-3
- Die IEC 61131-3 ist die Norm für die Programmiersprachen speicherprogrammierbarer Steuerungen (SPS). Sie definiert herstellerübergreifend die gängigen Sprachen – Funktionsbausteinsprache (FBD), Kontaktplan (LD), Ablaufsprache (SFC) und Strukturierter Text (ST). Dadurch bleiben Steuerungsprogramme und Bibliotheken über verschiedene Plattformen hinweg wiederverwendbar.
- IEC 61508
- Die IEC 61508 ist die grundlegende internationale Norm für die funktionale Sicherheit elektrischer, elektronischer und programmierbarer elektronischer Systeme. Sie gilt branchenübergreifend und ist die „Mutternorm“, aus der zahlreiche branchenspezifische Normen abgeleitet sind. Sie definiert u. a. die SIL-Stufen und den Safety Lifecycle.
- IEC 61511
- Die IEC 61511 ist die Norm für funktionale Sicherheit in der Prozessindustrie (z. B. Chemie, Öl und Gas). Sie regelt sicherheitstechnische Systeme auf Anlagenebene und richtet sich an Planer, Errichter und Betreiber. Komponenten werden typischerweise nach IEC 61508 zertifiziert, während die Anlage selbst nach IEC 61511 umgesetzt wird.
- IEC 61784-3
- Die IEC 61784-3 ist die internationale Norm für sicherheitsgerichtete Kommunikation über Feldbusse (Functional Safety Communication Profiles). Sie beschreibt, wie Sicherheitsprotokolle wie FSoE, PROFIsafe oder CIP Safety Übertragungsfehler beherrschen. Sie ist die normative Grundlage des Black-Channel-Ansatzes.
- IEC 61800-5-2 (DIN EN 61800-5-2)
- Die IEC 61800-5-2 ist eine Produktnorm für elektrische Antriebssysteme mit einstellbarer Drehzahl (Power Drive Systems, PDS) und regelt deren funktionale Sicherheit im Rahmen der IEC 61508 – sie beschreibt also, wie ein Antrieb selbst als Sicherheits-Subsystem realisiert werden muss, nicht die Risikobeurteilung der gesamten Maschine. Sie deckt Sicherheitsfunktionen bis SIL 3 bzw. PL e (ISO 13849) ab und ergänzt damit die IEC 61800-5-1, die separat die elektrische, thermische und energiebezogene Sicherheit von Antrieben behandelt.
Die Norm bzw. angrenzende Industriepraxis (u. a. Feldbus-Sicherheitsprofile) definiert folgende Sicherheitsfunktionen in drei Gruppen:
Stopp-Funktionen:- STO (Safe Torque Off) – sichere Abschaltung des Drehmoments
- SS1 / SS1-t / SS1-r (Safe Stop 1) – sicher überwachtes, kontrolliertes Stillsetzen mit anschließendem STO
- SS2 / SS2-t / SS2-r (Safe Stop 2) – sicher überwachtes Stillsetzen, Antrieb bleibt danach bestromt (Übergang in SOS)
- SOS (Safe Operating Stop) – sichere Überwachung des Stillstands bei bestromtem, lagegeregeltem Antrieb
- SLS (Safely-Limited Speed) – sichere Geschwindigkeitsbegrenzung
- SSR (Safe Speed Range) – Überwachung eines Geschwindigkeitsbereichs mit Ober- und Untergrenze
- SSM (Safe Speed Monitor) – sicheres Ausgangssignal, ob ein Geschwindigkeitsgrenzwert über- oder unterschritten wird
- SDI (Safe Direction) – Überwachung der zulässigen Bewegungsrichtung
- SLP (Safely-Limited Position) – sichere Positionsbegrenzung
- SLI (Safely-Limited Increment) – sichere Begrenzung der Wegstrecke nach einem Startbefehl (z. B. im Tippbetrieb)
- SLT (Safely-Limited Torque) – sichere Begrenzung des maximalen Drehmoments
- STR (Safe Torque Range) – Überwachung eines Drehmomentbereichs mit Ober- und Untergrenze
- SLA (Safely-Limited Acceleration) – sichere Begrenzung der maximalen Beschleunigung
- SAR (Safe Acceleration Range) – Überwachung eines Beschleunigungsbereichs mit Ober- und Untergrenze
- SCA (Safe Cam) – sicheres Ausgangssignal, ob sich die Achse innerhalb eines definierten Positionsfensters befindet
- SBC (Safe Brake Control) – sichere Ansteuerung einer externen Bremse
- IEC 62061
- Die IEC 62061 ist eine Norm der Maschinensicherheit, die – anders als die ISO 13849 – den SIL als Maß verwendet. Sie richtet sich vor allem an elektrische, elektronische und programmierbare Steuerungssysteme von Maschinen und ist die maschinenspezifische Umsetzung der IEC 61508. Die Ausgabe 2021 wurde deutlich überarbeitet; sie spricht statt von „SILCL“ nun vom maximalen SIL eines Subsystems.
- IEC 62881
- Die IEC 62881 standardisiert die Cause-and-Effect-Matrix (Ursache-Wirkungs-Matrix) – ein einfaches, tabellarisches Format, um Verriegelungen und Steuerungslogik einheitlich zu dokumentieren. Sie erleichtert die Verständigung zwischen verschiedenen Engineering-Disziplinen über den Anlagenlebenszyklus. Die Übersetzung dieser Matrizen in Programmcode ist nicht Teil der Norm.
- ISO 13849
- Die ISO 13849 ist eine zentrale Norm der Maschinensicherheit und beschreibt die Gestaltung sicherheitsbezogener Teile von Steuerungen. Sie verwendet den Performance Level (PL a–e) als Maß und berücksichtigt sowohl die Zuverlässigkeit der Bauteile als auch die Struktur der Steuerung. Sie wird häufig gemeinsam mit der Maschinenrichtlinie/-verordnung angewendet.
- ISO 26262
- Die ISO 26262 ist die Norm für funktionale Sicherheit von Straßenfahrzeugen und eine branchenspezifische Ableitung der IEC 61508. Sie führt den ASIL als Risikomaß ein und deckt den gesamten Entwicklungszyklus von Fahrzeugsystemen ab. Angewendet wird sie für elektrische und elektronische Systeme im Automobil.
M
- MTTFd (Mean Time To dangerous Failure)
- Der MTTFd ist die mittlere Zeit bis zu einem gefährlichen Ausfall und eine zentrale Kenngröße der ISO 13849. Er beschreibt die Zuverlässigkeit einzelner Kanäle einer sicherheitsbezogenen Steuerung und fließt in die Bestimmung des Performance Level ein. Ein höherer MTTFd steht für zuverlässigere Bauteile.
N
- Neuron RTS (Laufzeitsysteme Max / Micro / Nano / safe)
- Die Neuron RTS-Familie sind Laufzeitsysteme („Soft-SPS“), die Steuerungsprogramme auf der Zielhardware ausführen. RTS Max ist das voll ausgestattete, hardwareunabhängige Laufzeitsystem und wird meist mit einem Echtzeitbetriebssystem kombiniert; RTS micro und RTS Nano sind schlankere Varianten für embedded Mikrocontroller. RTS safe ist die sicherheitszertifizierte Variante für die Ausführung sicherer Applikationen.
P
- PFH (mittlere Häufigkeit eines gefährlichen Ausfalls pro Stunde)
- PFH steht für die mittlere Häufigkeit eines gefährlichen Ausfalls pro Stunde und wird für Sicherheitsfunktionen im hohen Anforderungs- bzw. Dauerbetrieb verwendet. Der Wert ist eine zentrale Kenngröße zum Nachweis eines bestimmten SIL. Ein niedrigerer PFH-Wert steht für eine höhere Sicherheit.
- PL (Performance Level)
- Der Performance Level ist das Pendant zum SIL in der Maschinensicherheit nach ISO 13849. Er beschreibt in fünf Stufen (PL a bis PL e) die Fähigkeit sicherheitsbezogener Steuerungsteile, eine Sicherheitsfunktion unter erwartbaren Bedingungen zuverlässig auszuführen. PL e entspricht der höchsten Zuverlässigkeit.
- PROFIsafe
- PROFIsafe ist das Sicherheitsprotokoll für die Feldbusse PROFIBUS und PROFINET. Es überträgt sicherheitsgerichtete Daten bis SIL 3 über das bestehende Standardnetzwerk, das dabei als „Black Channel“ gilt. Es wird breit im Maschinen- und Anlagenbau eingesetzt.
R
- RTOS (Echtzeitbetriebssystem)
- Ein Echtzeitbetriebssystem garantiert, dass Aufgaben innerhalb fest definierter Zeitgrenzen ausgeführt werden – nicht nur schnell, sondern vorhersagbar. Diese Determiniertheit ist Voraussetzung dafür, dass eine Sicherheitsfunktion zuverlässig innerhalb der geforderten Reaktionszeit anspricht. Laufzeitsysteme wie Neuron RTS Max werden daher typischerweise mit einem RTOS kombiniert.
S
- Safe Motion Library (SML)
- Die Safe Motion Library (SML) ist Neurons vorzertifizierte Bibliothek für sichere Antriebsfunktionen, konform mit IEC/EN 61800-5-2. Sie unterstützt einen konfigurierbaren Testmanager (CORA) und deckt folgende Sicherheitsfunktionen ab:
Safe Motion Funktionen: Safe Motion Monitoring Funktionen: - Safety Case
- Ein Safety Case ist die strukturierte, dokumentierte Argumentation, dass ein System für seinen vorgesehenen Einsatz ausreichend sicher ist. Er fasst Ziele, Nachweise und Begründungen zusammen und dient als Grundlage für Bewertung und Zulassung. Für eine Zertifizierung muss der Safety Case nachvollziehbar und belegt sein.
- Safety Lifecycle (Sicherheitslebenszyklus)
- Der Safety Lifecycle ist der von der IEC 61508 vorgegebene, durchgängige Ablauf zur Entwicklung sicherheitsgerichteter Systeme – von der ersten Risikobetrachtung über Konzept, Realisierung und Betrieb bis zur Außerbetriebnahme. Jede Phase hat definierte Aufgaben und Nachweise. So wird Sicherheit über die gesamte Lebensdauer systematisch berücksichtigt.
- Safety Toolchain
- Eine Safety-Toolchain ist die Kette der Werkzeuge, mit denen Sicherheitsfunktionen entwickelt, programmiert, geprüft und dokumentiert werden. Ist die Toolchain selbst vorzertifiziert, können Anwender darauf vertrauen, dass die Werkzeuge keine gefährlichen Fehler in die Sicherheitsanwendung einbringen. Die vorzertifizierte Toolchain im Neuron-Baukasten unterstützt Safety-Funktionen bis SIL 3, PL e und ASIL C.
- SBC (Safe Brake Control)
- Safe Brake Control ist die sicherheitsgerichtete Ansteuerung einer externen, elektromechanischen Bremse (z. B. Haltebremse am Motor). Sie stellt sicher, dass die Bremse zuverlässig und zum richtigen Zeitpunkt betätigt wird – etwa in Kombination mit STO, um ein Motorwellenausfallen bei vertikalen Achsen zu verhindern. SBC ist Teil der Sicherheitsfunktionen nach IEC 61800-5-2.
- SCA (Safe Cam)
- Safe Cam liefert ein sicheres Ausgangssignal darüber, ob sich eine Achse aktuell innerhalb eines vorab definierten Positionsfensters befindet. Die Funktion basiert auf sicherer Positionsüberwachung und wird häufig genutzt, um z. B. eine Schutztür-Verriegelung erst freizugeben, wenn sich eine Achse in einem sicheren Bereich befindet.
- SDI (Safe Direction)
- Safe Direction überwacht, dass sich ein Antrieb ausschließlich in die zulässige Bewegungsrichtung bewegt. Bei einer Bewegung in die nicht erlaubte Richtung löst die Funktion eine sichere Reaktion aus – häufig in Kombination mit SLS im Einrichtbetrieb genutzt.
- SFF (Safe Failure Fraction)
- Der Safe Failure Fraction ist der Anteil der Ausfälle, die entweder ungefährlich sind oder durch Diagnosen erkannt werden, an allen Ausfällen. Zusammen mit der Hardware-Fehlertoleranz bestimmt er über die Architektureinschränkungen den maximal erreichbaren SIL. Ein höherer SFF erlaubt tendenziell einen höheren SIL.
- SIC (Safety Integrated Core, SIC100)
- Der Safety Integrated Core (SIC100) ist der vorzertifizierte Firmware-Kern für sichere Geräte mit SIL-3- bzw. PL-e-Einstufung. Er stellt die Basisfunktionalität bereit, auf der die weitere Sicherheits-Firmware aufsetzt, und lässt sich sowohl mit den SIC-Hardware-Architekturen des Baukastens als auch mit bestehenden oder kundenspezifischen Hardware-Designs kombinieren.
- SIL (Safety Integrity Level)
- Der Safety Integrity Level ist ein Maß dafür, wie zuverlässig eine Sicherheitsfunktion das mit ihr verbundene Risiko reduziert. Die IEC 61508 definiert vier Stufen (SIL 1 bis SIL 4), wobei SIL 4 die höchste Risikoreduktion und die strengsten Anforderungen bedeutet. Je höher der geforderte SIL, desto zuverlässiger muss das sicherheitsgerichtete System arbeiten.
- SLA (Safely-Limited Acceleration)
- Safely-Limited Acceleration begrenzt sicher die maximal zulässige Beschleunigung eines Antriebs. Wird der eingestellte Grenzwert überschritten, löst die Funktion eine sichere Reaktion aus. Das Gegenstück mit Bereichsüberwachung statt fixer Grenze ist Safe Acceleration Range (SAR).
- SLI (Safely-Limited Increment)
- Safely-Limited Increment begrenzt sicher die Wegstrecke, die sich ein Antrieb nach einem Startbefehl bewegen darf – etwa im Tippbetrieb (Jog-Modus). Wird der zulässige Weg überschritten, löst die Funktion einen sicheren Stopp aus.
- SLS (Safely-Limited Speed)
- Safely-Limited Speed überwacht, dass die Geschwindigkeit eines Antriebs einen definierten Grenzwert nicht überschreitet – ohne den Antrieb dabei automatisch zu stoppen. Wird die Grenze überschritten, löst das System eine sichere Reaktion aus (z. B. STO oder SS1). SLS wird häufig genutzt, um Personen den gefahrlosen Zugang zu einer Anlage bei reduzierter Geschwindigkeit zu ermöglichen (z. B. im Einrichtbetrieb).
- SLT (Safely-Limited Torque)
- Safely-Limited Torque begrenzt sicher das maximal zulässige Drehmoment bzw. die Kraft eines Antriebs. Da direkte Drehmomentmessung bei Standardantrieben unüblich ist, erfolgt die Überwachung meist indirekt über den Motorstrom. Die Funktion ist besonders für kollaborierende Robotik relevant, wo begrenzte Kräfte für die Personensicherheit entscheidend sind.
- SOS (Safe Operating Stop)
- Beim Safe Operating Stop bleibt der Antrieb bestromt und lageregelt, anstatt die Energiezufuhr zu unterbrechen. Die Position wird sicher überwacht; kleine, ungewollte Bewegungen lösen eine Sicherheitsreaktion aus. Im Unterschied zu STO kann der Antrieb aus dem SOS-Zustand heraus jederzeit wieder in Bewegung versetzt werden, ohne ihn neu referenzieren zu müssen.
- SRS (Safety Requirements Specification)
- Die Safety Requirements Specification ist die Spezifikation aller Anforderungen an die Sicherheitsfunktionen und deren geforderte Sicherheitsintegrität (z. B. SIL). Sie bildet die verbindliche Grundlage für Entwurf, Umsetzung und Prüfung des sicherheitsgerichteten Systems. Eine klare, vollständige SRS ist entscheidend, um Missverständnisse und systematische Fehler zu vermeiden.
- SS1 (Safe Stop 1)
- Safe Stop 1 ist ein kontrollierter, sicher überwachter Stillsetz-Vorgang: Der Antrieb wird kontrolliert abgebremst, bevor am Ende STO aktiviert und die Energiezufuhr unterbrochen wird. Es gibt zwei Varianten – SS1-t (zeitbasiert, ohne Geschwindigkeitsüberwachung) und SS1-r (rampenbasiert, mit sicherer Überwachung des Bremsvorgangs).
- SS2 (Safe Stop 2)
- Safe Stop 2 ähnelt SS1, der Antrieb bleibt danach aber bestromt und geregelt statt die Energiezufuhr zu unterbrechen – er geht in den Zustand SOS über. Das ermöglicht ein schnelleres Wiederanfahren, da nicht neu referenziert werden muss, wie es nach STO/SS1 nötig sein kann.
- SSM (Safe Speed Monitor)
- Safe Speed Monitor liefert ein sicheres Ausgangssignal darüber, ob eine definierte Geschwindigkeitsgrenze über- oder unterschritten wird. Anders als SLS löst SSM selbst keine Stopp-Reaktion aus, sondern stellt die Information nur für eine übergeordnete Sicherheitssteuerung bereit, die dann die weitere Reaktion festlegt.
- STO (Safe Torque Off)
- Safe Torque Off ist die grundlegende Sicherheitsfunktion eines Antriebs: Sie schaltet die drehmomenterzeugende Energiezufuhr zum Motor sicher ab, sodass dieser kein Drehmoment mehr erzeugen kann. Der Antrieb trudelt aus und wird nicht aktiv gebremst; ein unerwarteter Anlauf wird verhindert. STO ist in der IEC 61800-5-2 (DIN EN 61800-5-2) definiert.
V
- VGB R170C
- Die VGB R170C ist eine Richtlinie des Energie-Fachverbands VGB PowerTech (heute vgbe energy) für die betriebsgerechte, funktionsbezogene Dokumentation der Kraftwerksleittechnik. Sie legt fest, wie Leittechnik-Funktionen einheitlich und nachvollziehbar dokumentiert werden. In der Energieerzeugung ist sie eine gängige Anforderung an Leittechnik-Dokumentation.
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